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BERND STELTER IM INTERVIEW

Frage: Du bist wieder auf Tournee, auf den berühmten Brettern, die ja für
Deines gleichen die Welt bedeuten sollen. Wie wichtig ist die Bühne für Dich?

BS: Ja nun, ich bin eine Rampensau. Ich sitze auch gerne am Schreibtisch und schreibe Nächte lang, ich stehe auch gerne vor einer Fernsehkamera, aber die Bühne ist meine Wurzel. Da hat das alles angefangen, und nur auf der Bühne hat man das Publikum direkt vor sich. Der Applaus kommt, oder er kommt nicht.
Das passiert sofort, da muss man nicht erst am nächsten Morgen im Videotext nachschauen, wie die Quote war.

Frage: Was passiert im aktuellen Programm „MUNDWINKEL HOCH?

Deutschland geht’s gut.Die Wachstumszahlen gehen nach oben, Sebastian Vettel wurde zum zweiten Mal Formel 1 Weltmeister und wir hatten endlich weiße Weihnachten. Alles ist gut, aber unsere Mundwinkel hängen kollektiv nach
unten. Die deutsche Befindlichkeit steht im offenen Widerspruch zur Realität.
Wir sind nur dann wirklich glücklich, wenn wir so richtig unglücklich sein dürfen.
Es wird einfach gerne gejammert. Wir sollten uns mehr Optimismus besorgen, Optimismus gibt es schließlich für kleines Geld an jeder Ecke. Es gibt Gurus und Glückstee, Wellness, Yoga, Rotwein und, Schokolade. In jeder Buchhandlung
steht ein ganzer Tisch voll Glück direkt am Eingang. Ich kenne die Allheilmittel
und gebe Tipps für den Tick mehr Spaß am Leben.


Frage: Du bist verheiratet, hast zwei Kinder! Kennen Deine Kinder Dich noch,
wenn die Tournee zu Ende ist?

BS: Ich glaube, ein Journalist der morgens um acht aus dem Haus geht, und
abends um acht aus dem Büro kommt, der sieht seine Kinder wahrscheinlich weniger als ich. Im Normalfall frühstücken wir morgens zusammen, vielleicht
hole ich die beiden von der Schule ab, nachmittags bin ich auch ein paar Stunden da, und abends stehe ich auf einer Bühne, oder ich schreibe für diverse Auftritte. Ich glaube, ich kann mir meine Zeit ganz gut einteilen.

Frage: Was sagt der „Hasenzahn“ dazu?

BSt: Wir sind seit langer Zeit wirklich glücklich verheiratet. Ich glaube, das liegt auch ein bisschen daran, dass ich ab und zu auf Tournee bin. Man sitzt sich nicht ständig auf der Pelle. So gibt man auch nach vielen Jahren Ehe der Sehnsucht
noch eine Chance.

Frage: Was bist Du eigentlich: Comedian oder Kabarettist?

BS: Comedy heißt eigentlich, einen Gag nach dem Anderen bringen. Das ist
erst mal ganz schön schwierig, und ich finde auch, nach einer gewissen Zeit
ganz schön langweilig. Die „Stand-Up-Comedians“ in England oder Amerika
sind nach 20 Minuten wieder von der Bühne und das aus gutem Grund! Ich
glaube, ein Zwei-Stunden-Programm, das muss auch ruhige Ecken haben,
da muss man sich auch mal zurücklehnen können, das Lachen muss einem
auch mal im Hals stecken bleiben. Vielleicht bin ich doch eher ein Kabarettist,
aber eben keiner, der sich mit der Tagespolitik befasst.

Frage: Ist es anstrengend, immer und überall alles mitzubekommen, um das
dann im Programm zu verarbeiten?

BS:  Das kann anstrengend sein, denn man schaltet nicht ab. Wenn ich Urlaub
habe, brauche ich zwei Wochen, um komplett abzuschalten. Meistens ist dann
der Urlaub vorbei. Ich beneide Leute, die sagen, dass sie um 17 Uhr Feierabend haben. Das geht bei mir nicht, ich arbeite auch von zu Hause, schreibe dort neue Texte und so weiter. Der Kopf hört nie auf zu rotieren. Aber ich bin so, da muss
man auch kein Mitleid haben.

Frage: Es gibt viele Leute, die ein Abendprogramm von Dir gesehen haben, und hinterher ziemlich überrascht waren, dass die Musik so einen großen Anteil hat.

BS: Lieder waren schon immer mein Ding. In einem Lied kann man drei Minuten lang melancholisch sein. Man kann in drei Strophen eine ganze Geschichte
erzählen. Und ich singe gern. Das ist natürlich eine ziemliche Überraschung für
all die, die mich nur aus „7 Tage, 7 Köpfe“ kannten oder im WDR beim
„NRW Duell“ kennen. Die sind ja nicht mal sicher, dass ich Beine habe.
Die sehen mich ja immer nur hinter dem Tisch.
Aber es ist doch schön, Leute überraschen zu können.

Frage: Du hast mit dem letzten Programm „Mittendrin, Männer in den Wechseljahrenl“ mehr als 250.000 Zuschauer gehabt. Wie willst Du das noch steigern?

BS:  Ich will das nicht steigern. Ich möchte wieder durch viele interessante Städte fahren und tolle Auftritte haben. Ich habe da so eine Hallengröße, in der
ich gerne spiele. Wo so einige hundert Menschen reinpassen, vielleicht auch 1500.
Die Leute sollen was sehen und nicht das Gefühl haben, der Künstler ist weit weg. Ich muss das Gefühl haben, dass ich Kontakt bis zur nächsten Reihe habe, dann
ist es ok. Wenn die Leute nach Hause gehen und sagen, ich war hautnah dran,
der hat danach noch Autogramm geschrieben und das Programm war toll, dann
bin ich zufrieden.

Frage: Wenn man die Menschen zum Lachen bringen will, muss man super intelligent sein. Hast Du das Gefühl, dass Du das bist?

BS: Ich glaube nicht, dass man super intelligent sein muss. Man muss aufpassen, was um einen herum passiert und dann schauen, was daran lustig ist und das ausbauen. Durch die Sendung „7 Tage 7 Köpfe“ habe ich täglich Zeitung gelesen
und mir antrainiert zu schauen, was an der Meldung lustig ist, die meisten Meldungen sind ja nur fürchterlich.

Frage: Stimmt es, dass Du hinterher so lange Autogramme schreibst, bis jeder
eins hat, das dauert doch ewig.

BS: Ja, das dauert schon. Aber ich finde, die Leute sind gekommen, um mich zu sehen, die sind losgelaufen und haben sich eine Karte besorgt. Dann werde ich
mir ja wohl die Zeit nehmen können, Ihnen diese Eintrittskarte zu unterschreiben.


Frage: Am Schluss muss ja noch die Frage nach deinen nächsten Zielen folgen.
Was hast du als nächstes vor?

BSt: Ich bin ja schon froh, dass du nicht nach meinem Lieblingswitz gefragt hast.
Ja, was habe ich für Ziele. Also, ich will beruflich nichts anderes erreichen.

Frage: Das ist jetzt nicht dein Ernst?

BS: Doch, ganz sicher! Ich will nicht den Dorfrichter Adam im
„Zerbrochenen Krug“ spielen. Ich brauche keine Moderation einer großen
Samstag-Abend-Show. Ich möchte noch ein bisschen schauspielern, hin und
wieder ein Buch schreiben, ich möchte weiterhin vor Kameras rumturnen dürfen, aber ich brauche nichts Neues. Ich möchte zufrieden werden! Zufrieden mit
dem was ich habe, das bin ich noch nicht ganz! Aber ich bin ja noch jung.
Ich hab ja noch ein bisschen Zeit.

Frage: Gehst Du mit 65 in Rente?

BSt: Ganz sicher nicht!

 

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